Volk ohne Vertreter -
ein Kommentar von Peter Cissek
Manfred Brückner ist einer der wenigen Stadträte,
die überhaupt zur Bürgerversammlung der BI Deponie anwesend
waren
Auf den ersten Blick oder in den Angeboten der
Immobilienmakler ist das Gebiet von der Waldstraße bis zum
Rothigweg eine der besten Wohnadressen in Pößneck. Die
Gegend im Norden der Stadt liegt ruhig und am Rande des Waldes.
Man könnte schlussfolgern, dass die Luft hier besonders gut
und das Leben besonders lebenswert wäre.
Wäre da nicht in unmittelbarer Nähe die Deponie Wiewärthe,
sagen die Bewohner. Diese soll schuld daran sein, dass die scheinbar
in der Idylle lebenden Menschen besonders häufig von Krebserkrankungen
heimgesucht werden und Häuser in der Gegend faktisch unverkäuflich
geworden seien. Die Menschen hier sprechen schon von stiller Enteignung
Der Pößnecker Stadtrat, der sich erst gestern Abend
konstituierte, hat zwar nicht die Befugnis für einen Beschluss
zur Schließung der Deponie. Doch anhören und ernst nehmen
sollten die Volksvertreter die Sorgen ihrer Bürger schon.
Bis auf Manfred Brückner (CDU) und Fritz Kleine (PDS) nahmen
keine Stadträte an der Bürgerversammlung teil. Auch andere
Kommunal- und Landespolitiker, die im Wahlkampf - auch ohne persönliche
Einladungen - besondere Bürgernähe zeigten, glänzten
am Mittwochabend durch Fernbleiben. Die Menschen in Pößneck-Nord
sind zurzeit ein Volk ohne Volksvertreter. Auch deshalb brennt
in der Nähe der Deponie sprichwörtlich die Luft.
23.07.2004
Ostthüringer Zeitung
Regionalausgabe Pößneck |