Haushalt der Stadt Pößneck 2008
Rede des CDU-Ortsvorsitzenden und CDU-Fraktionsvorsitzenden Manfred
Brückner zum Haushalt 2008
Sehr geehrter Herr Bürgermeister, werte Damen und Herren
Stadträte, werte Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen der Stadtverwaltung,
vor uns liegt der Entwurf des Haushaltsplanes der Stadt Pößneck
für das Haushaltsjahr 2008 mit einem Gesamtvolumen von 21.558.000 €.
Im Vergleich zum Rechnungsergebnis von 2006 mit 16.791.736 € eine
stattliche Steigerung von 4.766.264 €.
Da könnte man sich zufrieden zurücklehnen, sich auf
die Schulter klopfen und danach fröhlich Weihnachten feiern.
Doch nach intensiver Beschäftigung mit dem Haushaltsplan sehen
wir eine Entwicklung der städtischen Finanzen, die große
Bedenken aufkommen lässt.
Anfang 2008 beträgt die Rücklage voraussichtlich 5.500
T€ , die Schulden 5.542 T€ , wir sind also praktisch
schuldenfrei.
Im Jahr 2011 soll die Rücklage noch 400 T€ betragen,
der Endbestand der Schulden aber 6.943 T€! Wir verschulden
uns neu mit rund 6,5 Mio. €, das ist keine gesunde Entwicklung.
Doch nun zu den einzelnen Positionen im Haushalt 2008, zu denen
wir eine abweichende Meinung haben:
1. Verwaltungshaushalt
Erfreulich ist die Erhöhung der Einnahmen gegenüber 2006
um rund 1 Mio. €, die im wesentlichen aus Erhöhung der
Steuern, Zuweisung und Zuschüssen resultiert. Dagegen verringern
sich die Einnahmen aus Verwaltung und Betrieb um 368 T € resultierend
aus der Schließung des Krematoriums. Uns liegt die Information
vor, dass die Kommunalaufsicht Anfang des Jahres der Stadt bei
Beantragung einer Ausnahmegenehmigung die Betriebserlaubnis in
Aussicht gestellt hat. Die Stadtverwaltung ist auf diesen Vergleich
nicht eingegangen, hat die Zahlung der Leasingraten eingestellt
uns ist nun in einem langwierigen Prozess verwickelt. Somit fehlen
uns jährlich Einnahmen in der vorerwähnten Größenordnung.
Die Personalausgaben wachsen von 2.665.370 € im Jahr 2006
auf 3.069.850 € im Jahr 2008. Bei sinkender Einwohnerzahl
sollen die Personalausgaben um 15,2 % gegenüber 2006 gesteigert
werden, das ist keine effiziente Verwaltung. Wir fordern die Erarbeitung
eines mittelfristigen Personalkonzeptes, das die Personalausgaben
deutlich senkt und auf ein pro Einwohner vertretbares Maß reduziert
(2006: 199,74 €/Einwohner; 2008: 233,60 €/Einwohner).
Die CDU-Fraktion kann dieser Erhöhung nicht zustimmen.
Es gibt noch eine Vielzahl von Positionen im Verwaltungshaushalt,
wo wir der Meinung sind, das man dort sparsamer sein könnte,
wir haben das in den Diskussionen im Haupt- und Finanzausschuss
sowie im Stadtrat auch angesprochen. 2 Positionen müssen wir
allerdings nochmals zur Prüfung stellen:
Seite 70, Einzelplan 3: Die Ausgaben im Unterabschnitt 3000 – Forschung
und Kulturpflege -erhöhen sich von 82,8 T€ auf 268 T,
das ist eine Steigerung um 224%, allein die Ausgaben für Veranstaltungen
(6317) sollen von 36 T € auf 120 T € erhöht werden.
Mittelfristig kann sich die Stadt diese Ausgaben nicht leisten
und einmalig verpuffen sie ohne nachhaltige Wirkung.
Seite 140, Einzelplan 9, Haushaltsstelle 8321 Kreisumlage: Die
Kreisumlage steigt von 2,9 Mio. € im Jahr 2006 auf 3,45 Mio. € im
Jahr 2008, das sind 47 % der Einnahmen aus Steuern und Schlüsselzuweisungen.
Vom Landrat des Saale-Holzland-Kreises weiß ich, dass er
die Kreisumlage stabil bei 33 % hält, würde er sie auf
47 % anheben, müsste er Polizeischutz beantragen. Wie lange
nehmen wir diese Kreisumlage als „Gottgewollt“ hin?
2. Vermögenshaushalt
Der Vermögenshaushalt schwillt von 5.082760 im Jahr 2006 auf
8.846.000 € an. Dies ist nur durch eine Entnahme von 3 Mio. € aus
der Rücklage möglich.
Die Rücklage ist für die CDU keine heilige Kuh und wir
tanzen auch nicht um das goldene Kalb. Sie ist aber wohl ein wichtiges
finanzpolitisches Instrument, mit dem größere Investitionen
finanziert werden können, ohne Kredite aufzunehmen oder wenn
rückläufige Einnahmen einmal ausgeglichen werden müssen.
Jeder verantwortungsbewusste Haushaltsvorstand legt in guten Jahren
etwas zurück, um eine größere Anschaffung finanzieren
zu können oder in schlechten Zeiten etwas zum zubuttern zu
haben. Da wir zwar nicht im kommenden Jahr, aber im Jahr 2010 mit
einem Badneubau beginnen wollen, halten wir das Herabfahren der
Rücklage auf 400 T€ bis dahin für falsch. Wir sollten
mindestens 50 % der Eigenmittel für das Bad aus der Rücklage
finanzieren können.
Deshalb ist es erforderlich, für die vielfältigen Maßnahmen
im Vermögenshaushalt eine Dringlichkeitsliste (neudeutsch:
Ranking) zu erstellen und sie dann nach den finanziellen Möglichkeiten
abzuarbeiten. Da vermisse ich im vorgelegten Haushaltsplan den
roten Faden. Es wird im Vorbericht unter Punkt 3.2 selbst eingeschätzt,
dass in den vergangenen Jahren „jährlich mehr Maßnahmen
geplant wurden, als umgesetzt werden konnten“.
Wir schlagen erneut vor, einige Maßnahmen zu streichen oder
zu reduzieren.
Seite 176, Einzelplan 6, Unterabschnitt 6152: Grunderwerb Wolllager
für 115.000. Nachdem der Standort des Badneubaues auf das
Rotasymgelände verschoben wurde, besteht kein städtischer
Bedarf an diesem Grundstück. Selbst wenn in der Nachbarschaft
eine Arztpraxis mit Apotheke und Physiotherapie eingerichtet werden
soll, muss der Investor für die nötigen Parkplätze
selbst sorgen. § 66 (1) ThürKO schreibt vor: „Die
Gemeinde soll Vermögensgegenstände nur erwerben, wenn
das zur Erfüllung ihrer Aufgaben erforderlich ist“.
Auch das Haushaltsjahr 2008 wird in einigen Jahren überörtlich
vom Landesrechnungshof geprüft werden, Herr Modde, Sie wollen
da doch möglichst keine großen Beanstandungen bekommen!
Seite 191, Einzelplan 6, Unterabschnitt 6341: Ausbau Busbahnhof.
Der ÖPNV ist keine kommunale Aufgabe, außerdem wurde
diese Anlage erst vor ca. 10 Jahren errichtet. Uns wundert, dass
der Fördermittelgeber nicht geprüft hat, dass der Busbahnhof
seine normative Nutzungsdauer noch nicht erreicht hat. 1,8 Mio. € für
einen „Imagegewinn“ auszugeben, grenzt an Verschwendung
von Steuergeldern. In Schleiz hat übrigens die Stadt nur einen
Zuschuss zum Busbahnhof gegeben, den größeren Anteil
hat der Landkreis und der OVS gezahlt. Gehen Sie, Herr Bürgermeister,
in vorauseilendem Gehorsam in Leistung?
3. Nicht im Haushalts- bzw. Finanzplan erwähnte Ausgabenrisiken
Sportplatz Griebse
Auf meine Anfrage im Haupt- und Finanzausschuss haben Sie eine
Beteiligung an dem Projekt bestritten, es stünden lediglich
30 T€ für eine Machbarkeitsstudie im Hauhaltsplan. Im
Doppelhaushalt des Kreises sind aber für das Jahr 2009 1 Mio.
für den Sportplatz, der dann neues Fußballstadion für
den VfB 09 werden soll, enthalten. Ich kann mir nicht vorstellen,
dass Herr Landrat Roßner dies ohne Ihre Zusage zur Co-Finanzierung
eingestellt hat. Das bedeutet für die Stadt, noch vor Beginn
des Badneubaus eine weitere Million zu finanzieren.
Berufsschule
Im Haushaltsplan sind 100.000 € Zuschuss für die Planungskosten
eingestellt. Die Stadt ist für diese Finanzierung aber nicht
zuständig. Gibt es wenigstens eine Finanzierungsvereinbarung
mit Landkreis und Fördermittelgeber, ist das aufsichtsrechtlich
geprüft? Der Stadtrat hat sich dazu bekannt, sich an der Finanzierung
der Berufsschule zu beteiligen, in der Höhe des Betrages,
den wir an Fördermitteln an das Land zurückzahlen müssen,
wenn das T4-Gebäude nicht genutzt wird. Im Finanzplan finde
ich aber bis 2011 keine 1,5 Mio. € als anteilige Finanzierung
der Stadt! Woher nehmen, wenn 2009/2010 die Rücklagen aufgebraucht
sind?
Gymnasium am Weißen Turm
Im Haushalt des Landkreises sind ca. 4 Mio. € für die
Sanierung des Gymnasiums eingestellt. Nun ist das Gymnasium ein
denkmalgeschütztes Gebäude und liegt außerdem noch
im Sanierungsgebiet. Das bedeutet, dass die Stadt sich an der Sanierung
beteiligen muss. Fenster (natürlich Holz), Dach und Fassade,
ich kann nicht abschätzen, ob da 1 Mio. € reichen. Die
Sanierung soll 2009 abgeschlossen sein. Im Finanzplan der Stadt
ist jedoch nichts eingeplant.
Rotasym-Kreuzung
Vom Straßenbauamt Gera wurde der Stadt signalisiert, dass
man bereit sei, den Kreisverkehr in den Jahren 2008 bis 2009 zu
bauen, wenn von der Stadt eine klare Stellungnahme zur großen
Ortsumgehung vorliegt. Nun bezahlt der Bund die Straße, die
Begleitinvestitionen Fußwege, Beleuchtung und Entwässerung
sind städtische Angelegenheiten. Wir hatten für die geplante
Rotasym-Ampelkreuzung viele Jahre einen Betrag von 1 Mio. DM vorgehalten.
Im Finanzplan finde ich keine halbe Million € im genannten
Zeitraum. Den Ausbau dieser Kreuzung halten wir aber für wichtiger
als den Ausbau 2. OG Bilke.
Schützenhaus
Der Stadtrat ist sich mit großer Mehrheit einig, das Schützenhaus
zu erwerben, wenn damit ein Rückfall des Eigentums an den
Rechtsextremisten Rieger verhindert werden kann. Es darf in Pößneck
keinen NPD-Parteitag geben!! Voraussichtlich wird sich das Verfahren
noch länger hinziehen, aber 2009 oder 2010 müssen wir
entsprechende Mittel einplanen. Ein Erwerb dieses Objektes ist
aber nur vertretbar, wenn bis dahin ein Nutzungskonzept vorliegt,
dass das nunmehr gegebene Baurecht berücksichtigt und verhindert,
das dieses Schützenhaus ein Fass ohne Boden wird.
Abriss Rotasym, Gründungskosten Bad
Für beide Maßnahmen liegen uns noch keine verbindliche
Zahlen vor. Bisher wurde für den Gesamtabriss Rotasym-Ost
3 Mio. € geschätzt. Auch das kann sich schnell erhöhen,
wenngleich wir dafür Fördermittel bekommen. Für
die voraussichtlich aufwendige Pfahlgründung des Badneubaus
rechne ich locker mit 0,5 bis 1 Mio. €. Wie finanzieren wir
das, wenn die Rücklage vorher schon verbraucht wurde?
Die LEG hat vor 2 Wochen die Hauptforderung in Höhe von ca.
200 T€ an den Zweckverband Wasser/Abwasser Orla überwiesen,
die aus den eingetragenen Hypotheken des ZVB resultierten. Sie
wird wohl auch noch die Stundungs- und Verzugszinsen überweisen,
um die beim Grundbuchamt bereits angemeldete Zwangsvollstreckung
zu vermeiden. Sie handelt aber nur Treuhändlerisch für
die Stadt, wird also zu Beginn des neuen Jahres ihre Forderung
der Stadt gegenüber aufmachen. Im Haushalt ist dafür
nichts vorgesehen.
Hoffen Sie, Herr Bürgermeister, immer noch, aus dem Hinterlegungsbetrag
des ZVB vom Oberverwaltungsgericht etwas zugesprochen zu bekommen,
mit dem man die Verbindlichkeiten gegenüber der LEG ausgleichen
könnte? Hätten Sie im Jahr 2004 die Verrechnungsvereinbarung
mit dem ZVB akzeptiert, hätten wir jetzt 800 T€ mehr
in der Kasse und müssten nicht gleich zu Beginn des neuen
Jahres 300 T€ bezahlen. Ich kann Ihnen nur nochmals empfehlen,
sich besser beraten zu lassen.
Heiligengasse
Wie schnell Kostensteigerungen sich ergeben, sehen wir an diesem
Beispiel. Die archäologischen Grabungen müssen wir
bezahlen, geplant waren sie nicht.
Marktplatz
Ein Objekt, dass mich besonders ärgert. Irgend jemand muss
doch die Zustimmung für das Ersatzpflaster 1999 gegeben haben. Ärgerlicher
aber ist, dass das Bauamt vor Ablauf der Gewährleistungsfrist
keine Ortsbegehung mit Endabnahme gemacht hat. Unsere Chancen,
von der Versicherung des begleitenden Ingenieur-Büros etwas
zu bekommen, sehe ich gleich Null. Die Pflasterung muss aber dringen
erneuert werden, sie hat vor 8 Jahren ca. 1,8 Mio. DM gekostet.
Wo sind im Finanzplan bis 2010 die 1 Mio. € für diese
Maßnahme?
Wenn wir eine worst case Betrachtung machen ( ich habe das noch
als Extremwert – Betrachtung gelernt), dann können auf
die Stadt Ausgaben in Höhe von 6,7 Mio. € zukommen, die
im Finanzplan bis 2011 nicht berücksichtigt sind. Jeder vorsorgliche
Kaufmann wird solche Risiken als Rückstellung in seine Bilanz
einstellen. Und auch wir als öffentliche Hand müssen
dies erst recht tun. Bei einer Abwägung der Dringlichkeit
zwischen Berufsschule und Gymnasium oder Grünflächen
am Klosterplatz fällt mir die Wahl nicht schwer, die Gelder
bei Bildungsinvestitionen zu verwenden.
Meine Damen und Herren,
die CDU-Fraktion hat ausführlich die Risiken und Schwächen
des vorgelegten Haushaltsplanes dargelegt.
Wir verzichten auf die Stellung von Einzelanträgen, unsere
Hinweise aus der letzten Sitzung des Stadtrates wurden in keinem
einzigsten Punkt bei der Überarbeitung berücksichtigt. Die CDU-Fraktion wird den Haushaltsplan 2008 ablehnen.
Sie muss den Haushaltsplan ablehnen, denn der Weg in die Neuverschuldung
ist uns mit unserem neuen Grundsatzprogramm versperrt. Auch ich
persönlich meine, das sind wir unseren Kindern und Enkeln
schuldig. |